Cleopatra oder die Sache mit der Sänfte

Liz Taylor in „Cleopatra“ (1963, © Twentieth Century-Fox)
Liz Taylor in „Cleopatra“ (1963, © Twentieth Century-Fox)

Ich bin kurzsichtig. Und war es auch in Beziehungen. Das fing in meiner Pubertät an: Ich schwärmte für N.. Er fand Icherinneremichnichtmehrwiesiehieß toller. Ähnlich wiederholte sich das mit H. Und dann kam F. Ich war sehr verliebt. Doch er fand eine andere Stadt attraktiver als mich. Zog 804 Kilometer weit weg.

Mehr Distanz geht nicht. Dachte ich damals mit Anfang 20. Später machte ich die Erfahrung: Es geht noch mehr. Viel, viel mehr. Und zwar: In der gleichen Stadt, in der gemeinsamen Wohnung, am selben Tisch, in einem Bett. Mit dem falschen Partner. Geht. Das. Alles. Irgendwann habe ich das eingesehen. Cleopatra und Karen Carpenter haben mir dabei geholfen…

I’d surely know your face
When love would cast it’s spell
I’d recognize each curve and line of you
I knew it well
Now at last you’re here and I can tell

Damit ich ihn erkenne, arbeite ich an der Besserung meiner Kurzsichtigkeit. Und übe in Liebesdingen eine neue Haltung. Ich nenne sie: meine innere Cleopatra. Letztens hat G. gefragt: „Muss Mann dich mit einer Sänfte abholen?“

Die Sache ist die: Ich möchte für jemand Besonderen jemand Besonderes sein. Und umgekehrt. In Dauerschleife. Genau das will ich: Auf die Sänfte, fertig, los – wie die alten Ägypterinnen schon sagten.

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