Wie ich mich auf Diät setzte

„Weniger ist mehr“ … für mich mittlerweile mein Mann-Frau-Mantra. Hat ein wenig gedauert, bis ich das verinnerlicht habe.

Weniger machen, kann als Frau bedeuten … nicht die Kinokarten zu besorgen, nicht den Tisch zu reservieren … und nicht und auf keinen Fall nach einer Nacht anzurufen. Sonst hat der Mann keine Chance mehr, aktiv zu sein. Wenn du ihm trotzdem alles abnimmst, macht er arglos weniger. Und du kannst davon ausgehen, dass du ihm genau das später einmal vorwirfst.

Mit Tanztraining fand ich zurĂĽck zu meinem WohlfĂĽhlgewicht
Mit Tanztraining fand ich zurĂĽck zu meinem WohlfĂĽhlgewicht

Bei mir war es der Maximalvorwurf: Ich bin doch nicht deine Mutter! Vor diesem Moment kam die große Unlust. Ich fand ihn nicht mehr anziehend, ich fand mich nicht mehr schön. Wie auch? Bei den verqueren Rollen? Daneben gab es dieses Gefühl: Ich mag mich in dieser Beziehung nicht. Ich mag mich einfach nicht. Ich mag mich nicht.

Zucker statt (Selbst)Liebe. Ich nahm zu. Meine Zusatzkilos aber retteten mich. Irgendwann waren diese nicht mehr zu übersehen: Ich ging auf Diät und nahm wieder ab.

Weniger Schokolade. Mehr Tanzen. Auf Altgriechisch bedeutet „diaita“ Lebensweise. Die Ausgewogenheit bestimme ich jetzt täglich neu. In meinem Rhythmus. 🎶

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Cleopatra oder die Sache mit der Sänfte

Liz Taylor in „Cleopatra“ (1963, © Twentieth Century-Fox)
Liz Taylor in „Cleopatra“ (1963, © Twentieth Century-Fox)

Ich bin kurzsichtig. Und war es auch in Beziehungen. Das fing in meiner Pubertät an: Ich schwärmte für N.. Er fand Icherinneremichnichtmehrwiesiehieß toller. Ähnlich wiederholte sich das mit H. Und dann kam F. Ich war sehr verliebt. Doch er fand eine andere Stadt attraktiver als mich. Zog 804 Kilometer weit weg.

Mehr Distanz geht nicht. Dachte ich damals mit Anfang 20. Später machte ich die Erfahrung: Es geht noch mehr. Viel, viel mehr. Und zwar: In der gleichen Stadt, in der gemeinsamen Wohnung, am selben Tisch, in einem Bett. Mit dem falschen Partner. Geht. Das. Alles. Irgendwann habe ich das eingesehen. Cleopatra und Karen Carpenter haben mir dabei geholfen…

I’d surely know your face
When love would cast it’s spell
I’d recognize each curve and line of you
I knew it well
Now at last you’re here and I can tell

Damit ich ihn erkenne, arbeite ich an der Besserung meiner Kurzsichtigkeit. Und übe in Liebesdingen eine neue Haltung. Ich nenne sie: meine innere Cleopatra. Letztens hat G. gefragt: „Muss Mann dich mit einer Sänfte abholen?“

Die Sache ist die: Ich möchte für jemand Besonderen jemand Besonderes sein. Und umgekehrt. In Dauerschleife. Genau das will ich: Auf die Sänfte, fertig, los – wie die alten Ägypterinnen schon sagten.

Die drei Affen

braut
Ja zu mir: Brautkleider habe ich damals zum SpaĂź anprobiert, die groĂźe Hochzeit in WeiĂź gab es nicht…

„Die Fähigkeit, alleine zu sein entspricht der Fähigkeit, zu lieben. Es mag paradox erscheinen, doch das ist es nicht. Es ist eine grundlegende Wahrheit. Nur jene, die alleine sein können, können lieben, können teilen, können zum tiefsten Kern einer Person durchdringen, ohne sie zu besitzen, ohne abhängig von ihr oder süchtig nach ihr zu werden. Sie erlauben anderen die volle Freiheit, denn sie wissen, wenn sie verlassen werden, sind sie genau so glücklich wie vorher. Ihre Freude kann nicht genommen werden, weil sie nicht von anderen stammt.“ (Osho)

In wenigen Tagen ist der Termin fĂĽr meine Scheidung. Und ich freue mich. Das findet eine Freundin von mir komisch. Doch ich finde, ich darf mich freuen … Der indische Philosoph, von dem die anfangs zitierten Worte stammen, wĂĽrde mir wohl zustimmen.

Ich habe oft gezweifelt an meiner Ehe wie davor schon an der Beziehung. Und habe trotzdem Ja gesagt. In der Trennung habe ich mich gefragt: Wie konnte mir das passieren? Ich habe mich selbst und meine GefĂĽhle ignoriert. Oder mir welche schön geredet … Ich habe so lange nichts sehen wollen.

Sogar am Tag der Hochzeit klingelten die Alarmglocken – ich bekam einen Tinnitus. Und doch: Ich habe nichts hören wollen.

Zweifel brauchen Geduld, Zeit, Liebe. Keine Ahnung, warum ich es damals so eilig hatte. Doch eigentlich weiĂź ich es: Um mich herum haben alle geheiratet und/oder Kinder bekommen – vor allem mein Ex-Freund. Und ich wollte – jetzt kann ich es zugeben: keinesfalls nachstehen. Inzwischen denke ich: Ich muss nicht. Und: Will ich das ĂĽberhaupt?

Zeit, Geduld und Liebe bringen auch Enttäuschung mit sich. Glücklicherweise ist das gleichzeitig das Ende der Täuschung. Ich lerne: Ich habe nicht einen Falschen geheiratet oder einen Richtigen ziehen lassen. Beide Männer waren nicht das Thema. Ich bin es. Jetzt möchte ich Ja sagen. Zu mir. Ganz, ganz laut.