Die drei Affen oder: das Ende der Täuschung

braut
Ja zu mir: Brautkleider habe ich damals zum Spaß anprobiert, die große Hochzeit in Weiß gab es nicht…

„Die Fähigkeit, alleine zu sein entspricht der Fähigkeit, zu lieben. Es mag paradox erscheinen, doch das ist es nicht. Es ist eine grundlegende Wahrheit. Nur jene, die alleine sein können, können lieben, können teilen, können zum tiefsten Kern einer Person durchdringen, ohne sie zu besitzen, ohne abhängig von ihr oder süchtig nach ihr zu werden. Sie erlauben anderen die volle Freiheit, denn sie wissen, wenn sie verlassen werden, sind sie genau so glücklich wie vorher. Ihre Freude kann nicht genommen werden, weil sie nicht von anderen stammt.“ (Osho)

In wenigen Tagen ist der Termin für meine Scheidung. Und ich freue mich. Das findet eine Freundin von mir komisch. Doch ich finde, ich darf mich freuen … Der indische Philosoph, von dem die anfangs zitierten Worte stammen, würde mir wohl zustimmen.

Ich habe oft gezweifelt an meiner Ehe wie davor schon an der Beziehung. Und habe trotzdem Ja gesagt. In der Trennung habe ich mich gefragt: Wie konnte mir das passieren? Ich habe mich selbst und meine Gefühle ignoriert. Oder mir welche schön geredet … Ich habe so lange nichts sehen wollen.

Sogar am Tag der Hochzeit klingelten die Alarmglocken – ich bekam einen Tinnitus. Und doch: Ich habe nichts hören wollen.

Zweifel brauchen Geduld, Zeit, Liebe. Keine Ahnung, warum ich es damals so eilig hatte. Doch eigentlich weiß ich es: Um mich herum haben alle geheiratet und/oder Kinder bekommen – vor allem mein Ex-Freund. Und ich wollte – jetzt kann ich es zugeben: keinesfalls nachstehen. Inzwischen denke ich: Ich muss nicht. Und: Will ich das überhaupt?

Zeit, Geduld und Liebe bringen auch Enttäuschung mit sich. Glücklicherweise ist das gleichzeitig das Ende der Täuschung. Ich lerne: Ich habe nicht einen Falschen geheiratet und einen Richtigen ziehen lassen. Beide Männer waren nicht das Thema. Ich bin es. Jetzt möchte ich Ja sagen. Zu mir. Ganz, ganz laut.

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Mitten im Happy End

rockyBryan Ferry hat kürzlich in einem Interview erzählt, dass Liebeskummer eigentlich immer schlimmer wird. Und dass er gern ewig leben würde. Beides kann ich unterschreiben. Als meine Patentochter vor ein paar Wochen zu Besuch war, haben wir über Jungs geredet aka Liebeskummer. Und es kamen auch Vampire zur Sprache – siehe ewiges Leben.

Meine Nichte ist 17 und gerade frisch verliebt. Ich bin keine 17 mehr und auch verliebt. Doch er meldet sich nicht. Und weil das so ist, habe ich mehr geredet als meine Nichte. Bei ihr ist die Sache klar. Er meldet sich. Regelmäßig. Täglich. Mehrmals. So wie das mit 17 (meistens) ist – und wie ich es irgendwann mit 67 auch noch gerne hätte.

Ja, ich bin unfassbar romantisch, auch wenn man mir das nicht unbedingt anmerkt. Nur, ich glaube sowieso, dass man die meisten Romantiker nicht als solche erkennt. Und damit meine ich nicht die Rosenblüten-Kerzenschein-Gemeinsam-Baden-Romantiker. Obwohl ich gegen gemeinsames Baden per se nichts habe.

Sylvester Stallone ist ein wirklich romantischer Mann. Davon bin ich beispielsweise fest überzeugt. „Rocky“ (1976) ist eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich kenne. Stallone hat das Drehbuch dazu geschrieben. Als ich das erfahren habe, habe ich mich auf der Stelle rückwirkend in ihn verliebt.

Was meine Nichte jetzt mit 17 erlebt, hatte ich mit 19. Er schrieb Zettelchen, klemmte welche an den Scheibenwischer von meinem Fiat Panda. Auch wenn wir gestritten haben. Er hatte eine süße Art, sich zu melden.

Der Mann, der sich jetzt nicht meldet, schrieb mir auch. Er und ich haben eine gemeinsame Geschichte. Erlebt haben wir immer nur das Ende. Wiederholt. Später, nachdem ich meiner Nichte von uns erzählte, wurde mir das klar. Vielleicht haben wir ja die Mitte und den Anfang ja noch vor uns?

Oder auch nicht. Alles ist gut. Schließlich stecke ich mitten in meinem eigenen Happy End.