Ihr dürft mir gratulieren

Meine Schwester sagt, sie hat in der Kita Bescheid gegeben, dass ich Leo abhole. „Ja. Tante Ligi kommt. Ja. Bei ihr darf ich machen, was ich will“, freute sich mein Neffe – erzählt mir meine Schwester weiter und lacht mich aus.

Toll, jetzt weiß die Kita also auch, dass ich bei meinem Neffen die Autorität eines Plüschpandas besitze. Muss mir das was ausmachen? Sicher nicht mehr, als damals, als ich unter der Dusche stand und Leo ins Bad kam … breaking news in der Kita.

Überhaupt, dürften Leos Kollegen mittlerweile so ziemlich alles über mich wissen, mehr als Facebook, Twitter und alle sozialen Netzwerke zusammen. Nicht nur, weil mein Neffe ein toller Beobachter und Geschichtenerzähler ist. Nein, die Kiddies tratschen halt gern.

foto
Wenn ich nicht gerade heirate, spiele ich Lego mit Leo

Ich habe drei Jahre in der Show gearbeitet, mit Klatsch kenne ich mich aus. Mein Neffe hält locker dagegen.

„Tante Ligi, hast du wieder geheiratet?“, fragte Leo mich letztens. Yep. Das denkt mein Neffe also, was ich tue, wenn wir uns mal zwei Wochen nicht sehen.

Ich freue mich schon auf die ersten Gratulanten in der Kita.

 

Advertisements

Die drei Affen

braut
Ja zu mir: Brautkleider habe ich damals zum Spaß anprobiert, die große Hochzeit in Weiß gab es nicht…

„Die Fähigkeit, alleine zu sein entspricht der Fähigkeit, zu lieben. Es mag paradox erscheinen, doch das ist es nicht. Es ist eine grundlegende Wahrheit. Nur jene, die alleine sein können, können lieben, können teilen, können zum tiefsten Kern einer Person durchdringen, ohne sie zu besitzen, ohne abhängig von ihr oder süchtig nach ihr zu werden. Sie erlauben anderen die volle Freiheit, denn sie wissen, wenn sie verlassen werden, sind sie genau so glücklich wie vorher. Ihre Freude kann nicht genommen werden, weil sie nicht von anderen stammt.“ (Osho)

In wenigen Tagen ist der Termin für meine Scheidung. Und ich freue mich. Das findet eine Freundin von mir komisch. Doch ich finde, ich darf mich freuen … Der indische Philosoph, von dem die anfangs zitierten Worte stammen, würde mir wohl zustimmen.

Ich habe oft gezweifelt an meiner Ehe wie davor schon an der Beziehung. Und habe trotzdem Ja gesagt. In der Trennung habe ich mich gefragt: Wie konnte mir das passieren? Ich habe mich selbst und meine Gefühle ignoriert. Oder mir welche schön geredet … Ich habe so lange nichts sehen wollen.

Sogar am Tag der Hochzeit klingelten die Alarmglocken – ich bekam einen Tinnitus. Und doch: Ich habe nichts hören wollen.

Zweifel brauchen Geduld, Zeit, Liebe. Keine Ahnung, warum ich es damals so eilig hatte. Doch eigentlich weiß ich es: Um mich herum haben alle geheiratet und/oder Kinder bekommen – vor allem mein Ex-Freund. Und ich wollte – jetzt kann ich es zugeben: keinesfalls nachstehen. Inzwischen denke ich: Ich muss nicht. Und: Will ich das überhaupt?

Zeit, Geduld und Liebe bringen auch Enttäuschung mit sich. Glücklicherweise ist das gleichzeitig das Ende der Täuschung. Ich lerne: Ich habe nicht einen Falschen geheiratet oder einen Richtigen ziehen lassen. Beide Männer waren nicht das Thema. Ich bin es. Jetzt möchte ich Ja sagen. Zu mir. Ganz, ganz laut.