Ich bin eine Tänzerin

„Heut ist Reigen, Tanz ist, Tanz ist, Tanz!
Licht ist heut und Glanz ist, Glanz!
Abschied von Verstand ist, vom Verstand,
Weil die Liebe ganz ist, ganz ist, ganz.“ (Rumi)

Mit drei Jahren habe ich Csárdás getanzt. Mit meinem Opa, er hat mir diesen ungarisch-siebenbĂĽrgischen Tanz beigebracht. Das erzählt mir meine Oma oft. Manchmal sagt sie auch, ich hätte zuviel Paprika im Blut – damit meint sie dann nicht das Tanzen…jedenfalls, sagte mein Opa laut meiner Oma zu mir: Ich mache eine Tänzerin aus dir.

An seine Worte kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich kann mich kaum noch an meinen ersten Tanzpartner erinnern. Nicht in Gedanken. Nicht in Bildern. Mein Opa ist gestorben, da war ich noch immer drei Jahre alt.

Mein Körper aber hat ihn nicht vergessen. Meine HĂĽften, meine Arme und Beine, von meinen Haar- bis in die Zehenspitzen erinnert sich alles noch sehr, sehr gut an meinen Opa. Er hat nämlich Wort gehalten und ich tanze schon mein Leben lang: Jazz, Ballett, Tap, Flamenco, Salsa, Freestyle auf sämtlichen Tanzflächen…

Als meine Ehe in die BrĂĽche ging, habe ich aufgehört zu tanzen. FĂĽr eine ganze Zeit war ich genauso zerbrochen. Dann habe ich einen neuen Rhythmus gefunden und wieder angefangen: Bauchtanz, Tribal Belly – meine Lehrerinnen sind Lia Pavlidis, SongĂĽl Cetinkaya, Josefine Wandel, Silvia Orchidaceae und Colleena Shakti.

Im Alter von drei Jahren hat mir mein erster Tanzlehrer ein Heilmittel an die Hand gegeben – und an Arme, Beine, HĂĽften… an jede einzelne Zelle… an mein Herz. Ja. Ich bin eine Tänzerin.

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Die Welt gehört in Leos Hände

Wir schaffen es nie, nie, nie unser Eis vorher zu fotografieren
Wir schaffen es nie, nie, nie unser Eis vorher zu fotografieren

„Tante Ligi, die Welt gehört nur sich selber.“ Bäm. Mitten auf der Prenzlauer Allee trifft mich die Weisheit meines Neffen mal wieder wie eine gute Ohrfeige. Mit Nachdruck. Wohl dosiert. Tut nicht weh. Stimmt so. Gleich bin ich k.o. Mein Herz bewegt sich, als Leo einfach so diese Worte spricht, als seien sie selbstverständlich. Nichts besonderes. Die Welt gehört nur sich selber. Mit vier weiß Leo schon alles.

Ich habe ihn aus der Kita geholt und wir sind unterwegs zu mir. Wir wollen kneten (ich habe neue Knete besorgt) und Nudeln mit TomatensoĂźe kochen (unser beider Lieblingsessen). Eben wollte Leo noch wissen, warum Beton nicht schmeckt. Im Gegensatz zu dem Eis, das wir vorhin gegessen haben. Und dann gibt er plötzlich Dinge von sich, hinter die manche Menschen ein Leben lang nicht kommen …

Herbert Grönemeyer hat wohl lange vor mir einen ähnlichen Moment gehabt. Wahrscheinlich mit einem Kind wie Leo 💝.