Cleopatra oder die Sache mit der Sänfte

Liz Taylor 1963 in „Cleopatra“

Ich bin kurzsichtig. Und war es auch in Beziehungen. Das fing in meiner Pubertät an: Ich schwärmte für N.. Er fand Icherinneremichnichtmehrwiesiehieß toller. Ähnlich wiederholte sich das mit H. Und dann kam F. Ich war sehr verliebt. Doch er fand eine andere Stadt attraktiver als mich. Zog 804 Kilometer weit weg.

Mehr Distanz geht nicht. Dachte ich damals mit Anfang 20. Später machte ich die Erfahrung: Es geht noch mehr. Viel, viel mehr. Und zwar: In der gleichen Stadt, in der gemeinsamen Wohnung, am selben Tisch, in einem Bett. Mit dem falschen Partner. Geht. Das. Alles. Irgendwann habe ich das eingesehen. Cleopatra und Karen Carpenter haben mir dabei geholfen…

I’d surely know your face
When love would cast it’s spell
I’d recognize each curve and line of you
I knew it well
Now at last you’re here and I can tell

Damit ich ihn erkenne, arbeite ich an der Besserung meiner Kurzsichtigkeit. Und übe in Liebesdingen eine neue Haltung. Ich nenne sie: meine innere Cleopatra. Letztens hat G. gefragt: „Muss Mann dich mit einer Sänfte abholen?“

Die Sache ist die: Ich möchte für jemand Besonderen jemand Besonderes sein. Und umgekehrt. In Dauerschleife. Genau das will ich: Auf die Sänfte, fertig, los – wie die alten Ägypterinnen schon sagten.

 

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Mitten im Happy End

rockyBryan Ferry hat kürzlich in einem Interview erzählt, dass Liebeskummer eigentlich immer schlimmer wird. Und dass er gern ewig leben würde. Beides kann ich unterschreiben. Als meine Patentochter vor ein paar Wochen zu Besuch war, haben wir über Jungs geredet aka Liebeskummer. Und es kamen auch Vampire zur Sprache – siehe ewiges Leben.

Meine Nichte ist 17 und gerade frisch verliebt. Ich bin keine 17 mehr und auch verliebt. Doch er meldet sich nicht. Und weil das so ist, habe ich mehr geredet als meine Nichte. Bei ihr ist die Sache klar. Er meldet sich. Regelmäßig. Täglich. Mehrmals. So wie das mit 17 (meistens) ist – und wie ich es irgendwann mit 67 auch noch gerne hätte.

Ja, ich bin unfassbar romantisch, auch wenn man mir das nicht unbedingt anmerkt. Nur, ich glaube sowieso, dass man die meisten Romantiker nicht als solche erkennt. Und damit meine ich nicht die Rosenblüten-Kerzenschein-Gemeinsam-Baden-Romantiker. Obwohl ich gegen gemeinsames Baden per se nichts habe.

Sylvester Stallone ist ein wirklich romantischer Mann. Davon bin ich beispielsweise fest überzeugt. „Rocky“ (1976) ist eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich kenne. Stallone hat das Drehbuch dazu geschrieben. Als ich das erfahren habe, habe ich mich auf der Stelle rückwirkend in ihn verliebt.

Was meine Nichte jetzt mit 17 erlebt, hatte ich mit 19. Er schrieb Zettelchen, klemmte welche an den Scheibenwischer von meinem Fiat Panda. Auch wenn wir gestritten haben. Er hatte eine süße Art, sich zu melden.

Der Mann, der sich jetzt nicht meldet, schrieb mir auch. Er und ich haben eine gemeinsame Geschichte. Erlebt haben wir immer nur das Ende. Wiederholt. Später, nachdem ich meiner Nichte von uns erzählte, wurde mir das klar. Vielleicht haben wir ja die Mitte und den Anfang ja noch vor uns?

Oder auch nicht. Alles ist gut. Schließlich stecke ich mitten in meinem eigenen Happy End.