Wie lange ist ewig?

„Alice: How long is forever? White Rabbit: Sometimes, just one second.“

Manchmal auch 20 Jahre, möchte ich Lewis Carroll, dem Autor von „Alice in Wonderland“ zurufen. So lange hat beispielsweise schon mal ein Kompliment gebraucht, um bei mir anzukommen. Hallöchen, thank you from my heart. Weil es ein ziemlich schönes Kompliment ist. Königsklasse!

Alice in Wonderland (1951, Walt Disney)
Alice in Wonderland von Walt Disney war 1951 ein Flop. Ich finde diesen Film bezaubernd.

Ich muss gestehen, ich bin nicht wirklich selbst darauf gekommen. Meine kleine Schwester hat es mir erklären müssen. Selbst erkannt, habe ich dafür eine andere Botschaft. Diese wurde mir von einem von mir sehr geliebten Buch vor sieben Jahren zugestellt. Erfolglos. Ich habe es nicht kapiert. Dafür einen guten Roman gelesen.

Bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel – tatsächlich ein sehr körperliches Gefühl :). Dieser Tage beim Mittagessen mit einer lieben Kollegin in der Kantine. Wir unterhielten uns über die Filme: „Eternal sunshine of a spotless mind“ und „The first time we met“. Also über Erinnerungen und Zeitreisen.

Dann waren wir bei diesem Roman. Und die Geschichte wurde plötzlich viel mehr als unterhaltsame Fiktion und ich zur Protagonistin. In der Rückschau ließ sich die Nachricht, die mich damals erreichen wollte, nicht mehr übersehen.

Ob 20 oder sieben Jahre. Monate, Wochen, Tage, Stunden, Minuten oder Sekunden. Meine Aha-Momente zeigen – zumindest gemessen an der hier ablaufenden Zeit – eine deutliche Tendenz nach oben. Wohin auch sonst? Ewig ist schließlich ewig. Egal wie lang.

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Mitten im Happy End

rockyBryan Ferry hat kürzlich in einem Interview erzählt, dass Liebeskummer eigentlich immer schlimmer wird. Und dass er gern ewig leben würde. Beides kann ich unterschreiben. Als meine Patentochter vor ein paar Wochen zu Besuch war, haben wir über Jungs geredet aka Liebeskummer. Und es kamen auch Vampire zur Sprache – siehe ewiges Leben.

Meine Nichte ist 17 und gerade frisch verliebt. Ich bin keine 17 mehr und auch verliebt. Doch er meldet sich nicht. Und weil das so ist, habe ich mehr geredet als meine Nichte. Bei ihr ist die Sache klar. Er meldet sich. Regelmäßig. Täglich. Mehrmals. So wie das mit 17 (meistens) ist – und wie ich es irgendwann mit 67 auch noch gerne hätte.

Ja, ich bin unfassbar romantisch, auch wenn man mir das nicht unbedingt anmerkt. Nur, ich glaube sowieso, dass man die meisten Romantiker nicht als solche erkennt. Und damit meine ich nicht die Rosenblüten-Kerzenschein-Gemeinsam-Baden-Romantiker. Obwohl ich gegen gemeinsames Baden per se nichts habe.

Sylvester Stallone ist ein wirklich romantischer Mann. Davon bin ich beispielsweise fest überzeugt. „Rocky“ (1976) ist eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich kenne. Stallone hat das Drehbuch dazu geschrieben. Als ich das erfahren habe, habe ich mich auf der Stelle rückwirkend in ihn verliebt.

Was meine Nichte jetzt mit 17 erlebt, hatte ich mit 19. Er schrieb Zettelchen, klemmte welche an den Scheibenwischer von meinem Fiat Panda. Auch wenn wir gestritten haben. Er hatte eine süße Art, sich zu melden.

Der Mann, der sich jetzt nicht meldet, schrieb mir auch. Er und ich haben eine gemeinsame Geschichte. Erlebt haben wir immer nur das Ende. Wiederholt.

Viel später, lange nachdem ich meiner Nichte von uns erzählte, wurde mir etwas klar. Dieses Ende in Dauerschleife hat mich letztlich weiter in meine Mitte gebracht und zu einem (Neu)Anfang. Oder auch: zu meinem eigenen Happy End.