Ihr dürft mir gratulieren

Meine Schwester sagt, sie hat in der Kita Bescheid gegeben, dass ich Leo abhole. „Ja. Tante Ligi kommt. Ja. Bei ihr darf ich machen, was ich will“, freute sich mein Neffe – erzählt mir meine Schwester weiter und lacht mich aus.

Toll, jetzt weiß die Kita also auch, dass ich bei meinem Neffen die Autorität eines Plüschpandas besitze. Muss mir das was ausmachen? Sicher nicht mehr, als damals, als ich unter der Dusche stand und Leo ins Bad kam … breaking news in der Kita.

Überhaupt, dürften Leos Kollegen mittlerweile so ziemlich alles über mich wissen, mehr als Facebook, Twitter und alle sozialen Netzwerke zusammen. Nicht nur, weil mein Neffe ein toller Beobachter und Geschichtenerzähler ist. Nein, die Kiddies tratschen halt gern.

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Wenn ich nicht gerade heirate, spiele ich Lego mit Leo

Ich habe drei Jahre in der Show gearbeitet, mit Klatsch kenne ich mich aus. Mein Neffe hält locker dagegen.

„Tante Ligi, hast du wieder geheiratet?“, fragte Leo mich letztens. Yep. Das denkt mein Neffe also, was ich tue, wenn wir uns mal zwei Wochen nicht sehen.

Ich freue mich schon auf die ersten Gratulanten in der Kita.

 

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Die Piratenbraut oder: Ich sehe was

 

a„Ligi, ich zeige es dir so oft, bis du es siehst“, sagte das Leben wieder einmal zu mir. Dieses Mal bei einem Kontrolltermin, den ich kurz davor fast noch abgesagt hätte – ich ahnte, dass ich was hören sollte, was ich nicht hören wollte… Moment. Was. Ist. Das. Meine Ärztin meint ein Loch auf der Netzhaut in meinem linken Auge. Was genau Sie erklärt, kommt nicht mehr bei mir an. Ihre Worte werden zu Vokabeln: Nüchtern. Klinik. OP. Ihre Diagnose zum unangemeldeten Test. Bitte was? Darauf war ich nicht vorbereitet und stehe unter Schock. Fünf Minuten, höre ich mich sagen. Ich brauche fünf Minuten. Nach einem Glas Wasser sitze ich im Taxi unterwegs in die Charité. Den Tag darauf wurde ich schon operiert. Das war im November.

Jetzt heile ich. Meinem Schutz, meinen Ärzten und Schwestern bin ich sehr dankbar. Besonders meiner kleinen Schwester, die bis kurz vor der Narkose meine Hand gehalten hat. So warm und fest, dass ich ruhig atmen konnte. Fast angstfrei. Ganz anders als am Tag davor. Voller Liebe, ich konnte spüren, dass alles gut wird und freute mich auf unser Wiedersehen.

Zurück im Aufwachraum hielt sie noch immer meine Hand, als ich mich weigerte aufzuwachen – ich wollte nur zurück in meinen wunderschönen Traum, aus dem ich so plötzlich herausgerissen wurde. Inzwischen kann ich mich gar nicht mehr an ihn erinnern. Als sie mich am nächsten Tag mit meinem Neffen besuchte, hatte der Kleine eine Piratenbinde auf einem Auge. Bis zu viermal täglich salbte sie mir in den ersten Wochen meine Wunde, weil ich mich nicht traute, in den Spiegel zu schauen. Die Augenkompresse – ja, die trug zwar ich. Doch von uns beiden war eindeutig sie die Piratenbraut.

Meine Augen-OP passierte übrigens fast genau fünf Jahre nach einem Kieferbruch. Damals schickte mir mein Leben ebenfalls eine Botschaft. Die habe ich damals nur nicht sehen wollen. Das sehe ich jetzt. Und dafür bin ich unendlich dankbar.

 

 

 

Die Welt gehört in Leos Hände

Wir schaffen es nie, nie, nie unser Eis vorher zu fotografieren
Wir schaffen es nie, nie, nie unser Eis vorher zu fotografieren

„Tante Ligi, die Welt gehört nur sich selber.“ Bäm. Mitten auf der Prenzlauer Allee trifft mich die Weisheit meines Neffen mal wieder wie eine gute Ohrfeige. Mit Nachdruck. Wohl dosiert. Tut nicht weh. Stimmt so. Gleich bin ich k.o. Mein Herz bewegt sich, als Leo einfach so diese Worte spricht, als seien sie selbstverständlich. Nichts besonderes. Die Welt gehört nur sich selber. Mit vier weiß Leo schon alles.

Ich habe ihn aus der Kita geholt und wir sind unterwegs zu mir. Wir wollen kneten (ich habe neue Knete besorgt) und Nudeln mit Tomatensoße kochen (unser beider Lieblingsessen). Eben wollte Leo noch wissen, warum Beton nicht schmeckt. Im Gegensatz zu dem Eis, das wir vorhin gegessen haben. Und dann gibt er plötzlich Dinge von sich, hinter die manche Menschen ein Leben lang nicht kommen …

Herbert Grönemeyer hat wohl lange vor mir einen ähnlichen Moment gehabt. Wahrscheinlich mit einem Kind wie Leo <3.