Wie ich mich auf Diät setzte

„Weniger ist mehr“ … für mich mittlerweile mein Mann-Frau-Mantra. Hat ein wenig gedauert, bis ich das verinnerlicht habe.

Weniger machen, kann als Frau bedeuten … nicht die Kinokarten zu besorgen, nicht den Tisch zu reservieren … und nicht und auf keinen Fall nach einer Nacht anzurufen. Sonst hat der Mann keine Chance mehr, aktiv zu sein. Wenn du ihm trotzdem alles abnimmst, macht er arglos weniger. Und du kannst davon ausgehen, dass du ihm genau das später einmal vorwirfst.

Mit Tanztraining fand ich zurück zu meinem Wohlfühlgewicht
Mit Tanztraining fand ich zurück zu meinem Wohlfühlgewicht

Bei mir war es der Maximalvorwurf: Ich bin doch nicht deine Mutter! Vor diesem Moment kam die große Unlust. Ich fand ihn nicht mehr anziehend, ich fand mich nicht mehr schön. Wie auch? Bei den verqueren Rollen? Daneben gab es dieses Gefühl: Ich mag mich in dieser Beziehung nicht. Ich mag mich einfach nicht. Ich mag mich nicht.

Zucker statt (Selbst)Liebe. Ich nahm zu. Meine Zusatzkilos aber retteten mich. Irgendwann waren diese nicht mehr zu übersehen: Ich ging auf Diät und nahm wieder ab. Weniger Schokolade. Mehr Tanzen. Auf Altgriechisch bedeutet „diaita“ Lebensweise. Die Ausgewogenheit bestimme ich jetzt täglich neu. In meinem Rhythmus.

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Tanzen ohne Musik

„Movement, to be experienced, has to be found in the body, not put on like a dress or a coat. There is that in us which has moved from the very beginning. It is that which can liberate us.” (Mary Starks Whitehouse)

Menschen tanzen immer. Auch ohne Musik. Weil Tanz und Bewegung befreiend sein kann, wenn es aus dem Körper, aus dem Inneren kommt. Das, was ich an mir selbst schon erfahren habe und immer wieder erfahren darf, bekommt in meiner Ausbildung zur Tanztherapeutin ein theoretisches Fundament.

Seit der letzten Klasse denke ich über Authentische Bewegung nach, der Methode von Mary Whitehouse. Inwieweit bewege ich mich selbst und inwieweit werde ich bewegt? Kann ich mich auf meinen Köper einlassen und verlassen?

Die Erfinderin selbst sieht im Authentischen Tanz, eine Möglichkeit mit seinem Inneren in Berührung zu kommen. Andere nennen es Unbewusstes, wieder andere Seele. Whitehouse hat in ihrer Methode jedenfalls an C. G. Jung angeknüpft.

Im Tanz stellt sich die Frage wie im Leben: Wann ist es Improvisation, wann Choreografie? Wann führe ich, wann lasse ich mich lieber führen? Wer übernimmt die Führung? Und woher nehme ich das Vertrauen, mich darauf einzulassen?

Eine Hilfe: Durch Atmen. Atem ist der basalste Rhythmus. Natürlich kann ich meinen Atem bewusst steuern, was in der Meditation oder in Stresssituationen ratsam ist. Nur im alltäglichen Leben macht das wenig Sinn. Da ist es schon besser, dass wir 24/7 beatmet werden.

Atmen bewegt mich. Ich kann meinen Atem also als Tanz sehen, dessen Führung offensichtlich jemand anderes übernimmt. Dann kann ich meinem Leben auch die Zuversicht schenken, dass es eine wunderschöne Impro für mich bereit hält. Und ich lasse mich darauf ein, ob gerade ein Solo, ein Duett oder ein Gruppentanz gespielt wird.

Und: Ja, es gab und gibt auch Zeiten, in denen ich auf Bühne und Parkett ausrutsche, stolpere oder hinfalle. Doch gerade das kann ich wunderbar in die Impro integrieren, wenn ich den Anweisungen meines inneren Choreografen folge.

Ich bin eine Tänzerin

„Heut ist Reigen, Tanz ist, Tanz ist, Tanz!
Licht ist heut und Glanz ist, Glanz!
Abschied von Verstand ist, vom Verstand,
Weil die Liebe ganz ist, ganz ist, ganz.“ (Rumi)

Mit drei Jahren habe ich Csárdás getanzt. Mit meinem Opa, er hat mir diesen ungarisch-siebenbürgischen Tanz beigebracht. Das erzählt mir meine Oma oft. Manchmal sagt sie auch, ich hätte zuviel Paprika im Blut – damit meint sie dann nicht das Tanzen…jedenfalls, sagte mein Opa laut meiner Oma zu mir: Ich mache eine Tänzerin aus dir.

An seine Worte kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich kann mich kaum noch an meinen ersten Tanzpartner erinnern. Nicht in Gedanken. Nicht in Bildern. Mein Opa ist gestorben, da war ich noch immer drei Jahre alt.

Mein Körper aber hat ihn nicht vergessen. Meine Hüften, meine Arme und Beine, von meinen Haar- bis in die Zehenspitzen erinnert sich alles noch sehr, sehr gut an meinen Opa. Er hat nämlich Wort gehalten und ich tanze schon mein Leben lang: Jazz, Ballett, Tap, Flamenco, Salsa, Freestyle auf sämtlichen Tanzflächen…

Als meine Ehe in die Brüche ging, habe ich aufgehört zu tanzen. Für eine ganze Zeit war ich genauso zerbrochen. Dann habe ich einen neuen Rhythmus gefunden und wieder angefangen: Bauchtanz, Tribal Belly – meine Lehrerinnen sind Lia, Songül und Josefine.

Im Alter von drei Jahren hat mir mein erster Tanzlehrer ein Heilmittel an die Hand gegeben – und an Arme, Beine, Hüften… an jede einzelne Zelle… an mein Herz. Ja. Ich bin eine Tänzerin.